29.03.2007
400 Schiffe sitzen fest
Von HARALD CZYCHOLL, THOMAS RAUFFMANN u. MARCUS BÖTTCHER
Köln - Seit Sonntag steht das Herz des Rheins still. Seit vom Frachter ,,Excelsior" 32 Container in den Fluss stürzten, geht nichts mehr zwischen Kölner Innenstadt und Bonn. 400 Schiffe sitzen rheinauf- und -abwärts fest. Die Bergungsspezialisten mühen sich nach Kräften, schuften 17 Stunden am Tag. Sie kämpfen, um die tonnenschweren Kisten vom Grund des Flusses zu holen. Doch das ist alles andere als einfach, wie der Sprecher der Kölner Berufsfeuerwehr, Markus Fertig erklärt: ,,Es konnten zwar alle Container geortet werden, doch das Heben dauert je nach Lage und Gewicht zwischen drei und 18 Stunden".
Bis gestern Abend sind 14 Container geborgen worden. Gestern Nachmittag wurde auch der letzte der drei Gefahrgut-Container aus dem Rhein gezogen. Ein Glück, dass das glatt ging. Denn: Wäre der in ihm gelagerte Flüssigkunststoff ins Rheinwasser gelaufen, hätte dem Fluss eine Umweltkatastrophe gedroht.
Doch noch liegen 18 Container im Rhein. Kann der Schiffverkehr bis Freitag laufen? ,,Wir können das schaffen, hofft Birgitta Beul vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Zeit wirds: Ein Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt schätze die Verluste pro lahmgelegtem Schiff auf rund 2000 Euro täglich.
Ford: Statt Rhein-Transport 40 Laster auf der Straße
Die Störungen beim Autohersteller Ford halten sich in Grenzen. ,,Wir schicken nur eine kleine Charge Neuwagen rheinaufwärts. Die Fahrzeuge werden jetzt mit wöchentlich 40 Lkws transportiert", so Ford-Sprecher Bernd Meier.
Käpitän Louis sitzt fest
Louis de Bot (43) sitzt seit Sonntag mit seiner ,,Tine-B" im Niehler Hafen fest. Statt seine Fracht auszuliefern, macht er Schönheitsreparaturen an seinem Schiff. Wie er den finanziellen Verlust durch die Wartezeit ausgleichen soll, weiß er nicht.
Stau auf dem Rhein
Nicht nur im Niehler Hafen stauen sich die Schiffe. 400 Fluss-Kapitäne mit ihren Mannschaften kommen nicht weiter. Außer putzen, schrauben und ölen können die Kapitäne nichts tun.
Gift sicher an Bord
Technische Glanzleistung: Die moderne ,,Veenengoor" aus Holland ist eins von insgesamt vier Bergungsschiffen, die auf dem Rhein eingesetzt sind. Gestern hievte die Besatzung einen der verbeulten Gefahrgut-Container vor den Poller Wiesen aus dem Rhein. In dieser gefährlichen Kiste lagerte ein Zwei-Komponenten-Flüssigklebstoff.
Taucher arbeiten unter Spezialhaube
Am Montag hat sich die Crew des 200-Tonnen-Schwimmkrans ,,Grizzly" auf den Weg nach Köln gemacht. Unter der siebenköpfigen Besatzung: drei Industrieberufstaucher. ,,So richtig nass sind die aber noch nicht geworden", so Norbert Barthel, Eigner der ,,Grizzly". Der trockene Grund: Bislang arbeiteten die Spezialisten meist unter der Haube des Spezialschiffes ,,Carl Straat". Das Taucherglockenschiff (gebaut 1963) senkt am Heck eine riesige Glocke ab, unter Überdruck wird das Wasser unten verdrängt. Etwa 10 Meter tief lässt sich das Ungetüm effektiv senken - über das zu begutachtende Stück Fluss oder eben den zu bearbeitenden Container. ,,Die Männer tragen zwar ihre Tauchanzüge, aber keine Masken oder Helme. Das, was unten noch nass ist, ist der Container", so Barthel.
Das Unglücksschiff ,,Excelsior"
Was mit der ,,Excelsior" passiert, ist weiterhin unklar. Auch der Kapitän des Unglücksschiffes hat nach Angaben der Wasserschutzpolizei noch nicht zu dem Unfall ausgesagt. Eine Überladung des Frachters und eine Beeinträchtigung des Fahrers durch Alkohol schließen die Beamten aber aus.
Bergung lockt Schaulustige an
Die ,,Excelsior" und die Bergungsarbeiten locken Tag für Tag Hunderte Zuschauer ans Rheinufer.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen