15.06.2007
Ein Glas Wein am Tag
Von S. NEUMANN, H. W. JÜRGENSONN und M. BÖTTCHER
,,Ich habe keine Probleme mit dem Alkohol - nur ohne." Lustiger Spruch, denn Alkohol ist in unserer Gesellschaft ja völlig normal. Schließlich greift fast jeder mal zu Glas oder Flasche. Jetzt soll die bundesweite ,,Aktionswoche Alkohol" über Gefahren aufklären.
Nach geschaffter Arbeit ein kühles Feierabend-Bier. Auf der Couch einen guten Wein. Einen Schnaps nach dem Mittagessen. Und wer geht nicht gern mal feiern und trinkt in Party-Laune einen über den Durst? Abstinenz? Eher die Ausnahme.
Schließlich bestätigen sogar Wissenschaftler: Im Bier enthaltene Stoffe hemmen Krebstumore, Wein hat eine anregende und problemlindernde Wirkung auf Magen-Darm-Trakt und Kreislauf. Dass das Maß beim Trinken entscheidend ist, wird von vielen leichtfertrig in den Wind geschlagen.
Aber: Die Alltagsdroge Alkohol wird dramatisch unterschätzt! Jeder Deutsche ab 15 Jahre trinkt im Jahr rund 145,8 Liter alkoholische Getränke. Das sind pro Kopf 10,3 Liter reiner Alkohol! ,,Das ist zu viel. Wir haben das Problem, dass viele Menschen zu viel Alkohol trinken", so die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing.
Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) erklärt, ab welcher Menge es gefährlich wird: ,,Die risikoarme Dosis von Männern liegt bei 20 bis 24 Gramm reinem Alkohol pro Tag." Also einem halben Liter Bier, einem Viertel Glas Wein oder einem kleinen Schnaps. Frauen müssen sich noch mehr zurückhalten. Für sie sind zehn bis 12 Gramm gerade noch gesund.
Viele schaffen das nicht: Jedes Jahr sterben 74 000 Deutsche an alkoholbedingten Krankheiten. 1,7 Millionen gelten als alkoholkrank. Mehr als sechs Millionen trinken riskant viel. Die Folge: Körperliche Schäden (Leber, Bauchspeicheldrüse usw.) und soziale Probleme (Führerscheinverlust, Eheprobleme, Verlust des Arbeitsplatzes usw.).
Nicht nur für den Einzelnen sind die Folgen verheerend. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Arbeitsausfälle, Unfälle und Produktionsschäden beträgt satte 22 Milliarden Euro.
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