23.07.2006
Neun Nationalitäten für Gummersbach im Einsatz. Die Amtssprache ist Deutsch.
Von MARCUS BÖTTCHER
Gummersbach - Gummersbach in der Saison 2006/2007 - mehr Multikulti geht fast nicht. Im Kader des Handball-Bundesligisten tummeln sich ein Ungar, ein Montenegriner, ein Russe, zwei Franzosen, vier Deutsche, ein Serbe, ein Grieche, ein Kroate und drei Isländer. Und auch Trainer Gislason kommt von der skandinavischen Insel. Kann das gut gehen?
Nach der erfolgreichen letzten Saison (der VfL erreichte die Champions League) vollzog man in Gummersbach den Umbruch. Acht Spieler gingen, acht neue kamen. ,,Die Neuzugänge sind keine Panikkäufe. Alle Spieler die wir geholt haben, wollten unbedingt zum VfL. Sie sind ehrgeizig genug und wollen mit dem Verein viel erreichen", sagt Trainer Alfred Gislason.
Doch gibt es bei neun unterschiedlichen Sprachen innerhalb einer Mannschaft keine Verständigungsprobleme? Gislason schiebt einem Sprachengewirr sofort den Riegel vor: ,,Im Training, im Spiel und wann immer wir als Team zusammen sind, ist einzig und allein Deutsch erlaubt", erklärt der 46-Jährige.
Er selbst geht mit bestem Beispiel voran. Nach seiner Spielerkarriere in Essen und den Trainerjahren in Hameln und Magdeburg spricht der dreifache Familienvater perfektes Deutsch.
Und das verlangt er auch von seinen Spielern: ,,Jakobsson kenne ich seit er 15 ist, er wird sehr schnell Deutsch lernen. Momir Ilic und Vedran Zrnic nehmen seit einigen Wochen bereits privaten Sprachunterricht. Sie haben schon Fortschritte gemacht", gibt sich Gislason von seinen Spielern überzeugt.
Nur mit einem ist er noch nicht zufrieden: dem Russen Denis Zakharov. ,,Er ist schon länger in Deutschland, müsste viel mehr tun, um die deutsche Sprache besser zu beherrschen. Er ist ein Klasse-Mann, ein Riesentalent. Aber um sich zu integrieren, muss er einfach besser Deutsch lernen."
Den Fans ist der Multikulti-Kader des VfL egal. Aber nur solange der Erfolg stimmt: ,,Natürlich wäre es hervorragend, wenn deutsche Spieler oder sogar Talente aus der eigenen Jugend den Sprung in den Profi-Kader schaffen. Aber heutzutage ist halt viel Geld im Spiel, und der Trend geht immer mehr zu ausländischen Spielern", sagt Andi Friedsam von den VfL-Supporters. Auch Kerstin Schmidt, Vorsitzende des größten Fanclubs ,,Blue-White-Dynamite" sieht keine Identifikationsprobleme: ,,Wir haben ja schon lange den Ruf einer Multikulti-Mannschaft. Aber der Erfolg muss da sein."
Immerhin haben so viele Nationen auch einen Vorteil: Jeder muss sich mit jedem arrangieren. ,,Grüppchenbildung", so Gislason ,,wird es bei uns nicht geben".
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen