Sonntag, 5. Oktober 2008

Ich bin der beste Weihnachtsmann vom Rhein

04.12.2006
EXPRESS-Reporter schwitzte bei der offiziellen Meisterschaft

Von MARCUS BÖTTCHER
Knochenjob Weihnachtsmann. 45 Kandidaten treten in Celle zur ,,1. Deutschen Weihnachtsmann-Meisterschaft" an. ,,Hohoho - ein Klacks", denke ich noch. Doch dann muss ich, der EXPRESS-Reporter, mit Bart und rotem Anzug, ran.

Weinende Kinder zum Lachen bringen, auf dem wildgewordenen Rentier Rudolf reiten und Geschenke milimetergenau in Schornsteine werfen: Nur drei von 14 schweißtreibenden Prüfungen auf dem Weg zu Deutschlands Weihnachtsmann Nummer 1. Nebenbei beobachte ich die anderen Teilnehmer: Vom ostfriesischen Ranger (,,Ich will durch die Meisterschaft berühmt werden") bis zur Münchner Klavierlehrerin (in der Sonderwertung für ,,Weihnachts-Frauen") ist alles dabei.

Los geht´s mit magerer Punkteausbeute. Meine Christbaumkugeln stoße (stoßen, nicht werfen!) ich zu ungenau, sie landen alle neben dem in vier Meter entfernten Körbchen. Null Punkte. Auch das Münzsammeln in Strohsäcken gerät zur Farce, ganze fünf von 30 Talern kann ich finden.

Doch jetzt kommen meine Spezialdisziplinen: Im Eiltempo rase ich durch den Schlittenparcours, mein Gedicht (vorgegeben waren Worte wie ,,Frostschutzmittel" und ,,Residenzstadt") hat Chancen auf den Weihnachtsmann-Poesie-Preis und weinende Kinder begeistere ich mit flottem Sirtaki-Tanzen. Nebenbei beobachte ich die andere Teilnehmer, so auch Manfred Brügging aus Cuxhaven: ,,Ich bin 73 Jahre und will unbedingt Deutscher Meister werden. Hier ist aber ganz schön starke Konkurrenz, mal schauen wie weit ich komme." Kurz vor Schluss, bei der letzten Disziplin der Vorrunde, kommt es fast zum Skandal. Mein in drei Minuten geschmückter Tannenbaum erhält nur vier von 15 möglichen Punkten. Erst der lautstarke Protest des Publikums kann die Juroren umstimmen. Glück gehabt.

Elf Prüfungen später stehe ich mit der drittbesten Benotung im Finale, nur noch sechs weiteren Kandidaten heißt es das Fürchten lehren. Darunter gleich Jungs aus Brandenburg.

Wie schon in der Vorrunde gerät der Start zum Debakel: ,,Stille Nacht, heilige Nacht" (mit freundlicher Unterstützung des Celler Publikums) hat mangels musikalischer Harmonie keine Chance bei der kritischen Jury. Punkte gibt´s höchstens aus Mitleid.

Mein weihnachtsmann-typisches ,,Ho-Ho-Ho" gelingt dank glühweingeölter Stimme hervorragend, ohrenbetäubender Applaus schallt mir entgegen. Fleißig sammle ich Punkt um Punkt, das große Ziel vor Augen. Anschließend verraten mir zehn kleine Mädchen (darunter - oh Schreck - auch Drillinge) ihre Geschenkwünsche, in Memory-Manier merke ich mir alle und kann sie erfolgreich zuordnen.

Leider versage ich beim Geschmackstest (Zartbitter-Schoki mit Chili isst man halt nicht jeden Tag) besiegelt meinen vierten Platz.

Aber - hohoho - ich bin immerhin bester Weihnachtsmann aus NRW. Deutscher Meister wird Oliver Deuker (29) aus Hannover. Ich schäle mich aus meiner durchgeschwitzten Kluft und erkenne: Weihnachtsmann ist der härteste Job der Welt. Trotzdem hol´ ich nächstes den Titel - zieht euch warm an!


Rentier-Rodeo

Mit nur einer Hand klammere ich mich ans Genick von Elektro-Rentier ,,Rudolf". Nach einer Minute bockt er zu stark, wirft mich ab. Trotzdem 15 Punkte geholt.
Geschenke einpacken

Möglichst schön und möglichst originell sollen ein Ball, ein Kinderwagen und eine Brille verpackt werden. Das kann ich wie kein Zweiter: 30 Punkte.
Stiefel-Zielkicken

Vom Fußball weiß ich, dass ich den linken Fuß nur zum Stehen habe. Die Sensation beim Stiefel-Zielkicken: Im Sitzen treffe ich das 15-Punkte-Quadrat. Da der Stiefel sogar auf der Sohle steht, verdoppelt sich die Punktzahl. Wieder das Optimum.
Die Verwandlung

High-Noon in Celle. Ich werfe mir meinen roten Anzug über und werde Weihnachtsmann. Beim Schlitten- Rennen darf kein Geschenk herunterfallen, in 27 Sekunden bin ich durch den Parcours geflitzt.
Geschenke-Zielwerfen

Sechs sehr leichte Geschenke müssen im Schornstein versenkt werden. Ich schaffe nur zwei von sechs, Grund war wohl der aufkommende Wind. Keine Ausreden: Bei dieser Übung habe ich versagt.
Kinder-Trösten

Meine Horror-Übung: Zwei überdrehte weinende 13-Jährige trösten und zum Lachen bringen. Bei Sarah gelingt es mir sofort. Ein (gewollter) Sturz beim Betreten der Bühne bringt sie aus der Fassung. Danach ist Florian kein Problem mehr, ihn überzeugt der gemeinsame Sirtaki-Tanz. Fotos: Uwe Weiser; Weihnachtsmann-Kostüm: freundliche Leihgabe der Firma ,,Deiters" aus Köln.
Weihnachtslied-Gesang

Eine mutige Cellerin hilft mir beim Singen von ,,Stille Nacht, heilige Nacht". Für einen Plattenvertrag hat´s leider nicht ganz gereicht.

Keine Kommentare: