Sonntag, 5. Oktober 2008

So schaffen wir es aus der Alters-Falle

17.01.2007
Millionen sahen ZDF-Schocker. Bevölkerungs-Experte stellt 7 Thesen auf

Von MARCUS BÖTTCHER
Schlimmer kann es kaum noch kommen. Der ZDF-Schocker ,,2030 - Aufstand der Alten" zeigt uns Horror-Visionen: In 23 Jahren sind Renten-, Pflege und Krankensystem zusammengebrochen. Senioren werden zu Kriminellen, verarmte Rentner in Alten-Asylen entsorgt. Diese Zukunft ist nicht unrealistisch, meinen Experten (EXPRESS berichtete). Und sie betrifft uns alle! Egal ob man heute 15, 30 oder 45 Jahre alt ist. ,,Wir sitzen in der Alters-Falle. Wenn wir nicht sofort drastische Maßnahmen ergreifen, kommen wir da nie mehr raus", befürchtet Prof. Dr. Herwig Birg (67, Foto), Bevölkerungsforscher der Uni Bielefeld. Er stellt im EXPRESS sieben Thesen: Was sich jetzt ändern müsste, damit die düsteren ZDF-Visionen nicht wahr werden.

THESE 1 / Keine Jobs für Kinderlose

Dass sich heutzutage ökonomischer Erfolg und Familienplanung beißen, ist Prof. Dr. Birg klar. ,,Dennoch müssen jetzt die Weichen in den Köpfen hin zum Kinderkriegen neu gestellt werden. Frauen mit Kindern werden benachteiligt, da Arbeitsausfälle drohen. Dabei soll doch der Nachwuchs Rente und Zukunft sichern. Deshalb müssen Firmen Mütter und Väter bei der Vergabe von Arbeitsplätzen bevorzugen. Es muss ein Anreiz geschaffen werden, wieder Kinder zu zeugen. Also sollten Eltern bei Neueinstellungen in den Betrieben Vorrang haben. Auch wenn es nicht ganz ohne Kinderlose gehen wird. Dafür ist zu viel Arbeit da. Junge Menschen im Alter um die 18 wären natürlich von dieser Regel ausgenommen."
THESE 2 / Jedes Paar muss zwei Kinder kriegen

Das Problem der Überalterung werden wir in den nächsten Jahrzehnten nicht so einfach lösen können. Die demographische Belastung ist einfach zu groß. Um ab 2050 wieder mehr junge als alte Menschen und damit eine stabile Gesellschaft zu haben, muss jedes Paar ab heute durchschnittlich 2,13 Kinder bekommen."
THESE 3 / Eltern bei Zahlungen in Sozial-Kassen entlasten

Es kann nicht sein, dass Eltern den gleichen Beitragssatz in Renten-, Kranken- und Pflegevorsorge wie Kinderlose einzahlen. Mütter und Väter werden entlastet, wenn der Beitrag reduziert wird. Familien müssen besser dastehen als Kinderlose. Bisher haben wir aber eine Bevorzugung dieser Bevölkerungsgruppe."
THESE 4 / Wer gut verdient, soll noch mehr zahlen

Wer gut verdient, muss auch mehr in Renten-, Pflege- und Krankenversorgung einzahlen. Und zwar mehr als heute. Um diese sozialen Systeme zu sichern, ist diese Maßnahme von absoluter Wichtigkeit. Die notwendigen Gesetze sollten so schnell wie möglich geändert werden."
THESE 5 / Kinderlose kriegen nur die halbe Rente

Halbe Rente für generell alle Kinderlosen halte ich nicht für gerecht. Doch wer heute zwischen 16 und 20 Jahre alt ist und keine Kinder bekommt, muss sich damit auseinandersetzen. Denn der volle Rentensatz für sie ist nicht gerecht gegenüber Eltern. Jedes Kind stabilisiert später als Beitrags- und Steuerzahler die Gesellschaft."
THESE 6 / Wirtschaft muss massiv in Bildung investieren

Unsere Firmen müssen sich klarmachen, dass unter dem dahinsiechenden Bildungssystem später ihre Produktivität leidet. Das Schul- und Hochschulsystem muss massiv unterstützt werden, sonst wandern unsere besten Kräfte ins Ausland ab. Außerdem müssen Arbeitgeber ihre Angestellten ein Leben lang schulen."
THESE 7 / Kinder von Einwanderern brauchen Förderung

In Großstädten sind Schüler mit Migrationshintergrund bereits in der Überzahl. Trotzdem schaffen 60 Prozent nur den Hauptschulabschluss. Eine Katastrophe, denn das ist die neue Mehrheitsbevölkerung. Auch hier muss die Wirtschaft alle verfügbaren Ressourcen in die Bildung stecken."

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