Dienstag, 14. Oktober 2008

Wen himmeln unsere Kinder an?

31.05.2007
Idole der Jugend: Musiker und Sportler ganz oben. Politiker waren nicht gefragt

Von M. BÖTTCHER, J. GEROL, J. JUCKEL und R. NOLTE
Einmal so sein wie... Jedes Kind träumt sich irgendwann in ein Idol hinein. Doch heute haben die Vorbilder ganz andere Qualitäten als früher. Eine neue Studie verrät: Jugendidole von heute sind vor allem eins: jung!

Die Münchner Meinungsforscher von ,,Icon Kids & Youth" stellten 1400 jungen Menschen zwischen 6 und 19 Jahren die Frage: ,,Wen findest du gerade so richtig toll?" Bei den Jungs lagen die Sportler ganz vorne, Mädchen finden eher Musiker gut. Unterschied zu früher (s. Spalte r.): Die Idole werden jünger.

Spitze bei beiden Geschlechtern ist Deutschlands Fußballkäpt´n Michael Ballack (31): 11 Prozent aller Jugendlichen stimmten für ihn. Auf Platz 2 folgt der Bergheimer Super-Kicker Lukas Podolski (21, 11%), Platz 3 belegen die Rock-Kinder von Tokio Hotel (9%). Die weiteren Platzierungen: 4. Supermodel Heidi Klum (33); 5. Moderator Stefan Raab (40); 6. die Kick-Legenden Oliver Kahn (36) und David Beckham (32).

Warum finden sich keine Helden aus Politik, Wissenschaft und Kultur bei unserem Nachwuchs? Stephan Grünewald vom Kölner Marktforschungsinstitut ,,Rheingold": ,,Die Jugendlichen empfinden sich zwischen Versorgungsparadies und perspektivloser Zukunft, Superstar oder Hartz IV. Politiker reden zwar über, aber nicht mit der Jugend." Superstars machen da bessere Angebote. Grünewald: ,,Michael Ballack verkörpert bravouröse Souveränität. Das kommt an bei Kindern und Pubertierenden, die sich im Zustand permanenter, pickeliger Verstörung befinden.." Podolski sei durch seine Jungenhaftigkeit eine Identifikationsfigur. ,,Die Kinder lieben seine Verletzlichkeit, seine Makel - und dass er es geschafft hat", so Marktforscher Grünewald.

Noch 2006 tauchte Kanzlerin Angela Merkel (52) in der ,,Icon Kids"-Umfrage auf (Platz 3 bei den Jungen). Jetzt ist sie nicht mehr dabei. ,,Die Jugend fühlt sich von der Politik nicht gebraucht", so Grünewald, ,,das ist die Quittung."

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