18.11.2006
Mord im Knast
Von MARCUS BÖTTCHER und JASPER JUCKEL
Düsseldorf - Schon wieder eine Straftat in einem NRW-Jugendgefängnis. Ein 19-Jähriger soll von einem Mitgefangenen vergewaltigt worden sein.
Der Mord an Hermann H. ist noch nicht aufgeklärt, schon passiert der nächste Fall: im Jugendhaus der JVA Düsseldorf. Ein Brandstifter (19) und ein Räuber (19) haben Sex. Danach sagt der Brandstifter den Wärtern, er sei vergewaltigt worden. Der Räuber meint, es sei einvernehmlich geschehen. Kein Einzelfall. Eine dem EXPRESS vorliegende Liste belegt die Explosion der Gewalt in Jugendknästen. Von versuchter Geiselnahme (Siegburg, 2004) über Massenschlägereien (Heinsberg, 2004) bis hin zu Angriffen auf Bedienstete (Rheinbach, 2005) ist alles dabei. Dutzende Fälle.
,,Die zunehmende Gewaltbereitschaft ist Spiegelbild der Gesellschaft. Kein Wunder bei drei bis vier Häftlingen pro Zelle", so der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BDSB) NRW, Klaus Jäkel.
,,Einzelunterbringung gibt es kaum noch - kein Platz. So was wie in Siegburg kann überall passieren", so Friedrich Waldmann, Leiter der JVA Herford.
Gewalt nicht nur im Jugenknast: Am Mittwoch steht Mahmut M. vor Gericht, der im Kölner ,,Klingelpütz" im Dezember 2004 einen 28-jährigen Mitgefangenen bei einer Freistunde fast erstochen haben soll.
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