Dienstag, 14. Oktober 2008

DNA: 8 Punkte verraten die Mörderin

19.06.2007
Getötete Polizistin

Von MARCUS BÖTTCHER
Das Phantom bleibt unsichtbar. Eine Frau ohne Namen. Ohne Gesicht. Ohne Gestalt. Die mutmaßliche Mörderin der in Heilbronn erschossenen Polizistin Michelle Kiesewetter - scheinbar ein Geist. Und doch hat die Polizei ihre Spur. Denn die Beamten haben ihre DNA. EXPRESS zeigt, wie die Gene die Killerin verraten.

Die DNA-Spuren: Schon mehrmals hinterließ die unbekannte Frau ihre DNA (EXPRESS berichtete). Die Gene lassen sich aus allen Körperflüssigkeiten ermitteln. 2001 fand die Polizei Blutspuren an einer benutzten Heroinspritze 2001 in der Eifel. Zwei Wochen später: Speichelreste an Keksen, die gleiche DNA. 2003 wieder Blut, wieder ihre Gene. Die Unbekannte schnitt sich bei einem Einbruch an der Fensterscheibe. Und jetzt am Polizeiwagen von Michelle Kiesewetter - ihr Schweiß, ihre DNA.

Die DNA-Analyse: Wie ermittelten die Beamten die Erbinformationen der mysteriösen Serientäterin? Die Polizei-Wissenschaftler suchen an acht Punkten jedes DNA-Strangs nach der Geschlechts-Information ,,männlich" oder ,,weiblich". Diese Stellen - sie heißen SE33 - sind auf der DNA jedes Menschen an den gleichen Stellen. Und doch sind die Informationen, die dort gespeichert sind, bei jedem Menschen unterschiedlich, einzigartig.

,,Es wird nur das Geschlecht ermittelt. Mehr dürfen wir nicht, mehr interessiert aber auch gar nicht", erklärt Frank Scheulen von Landeskriminalamt NRW. ,,Wir können so nahezu zweifelsfrei, zu 99,99 Prozent nachweisen, zu wem welche DNA gehört. Und diese dann natürlich miteinander vergleichen", so Scheulen.

Die Beamten dürfen aber nicht anhand der DNA erforschen, wie ein Gesuchter aussieht, wie groß er ist, welche Haarfarbe oder welche Krankheiten er hat.

Der DNA-Abgleich: Die Unbekannte hat an mehr als 20 Tatorten ihre Gene hinterlassen. Für die Beamten war es ein Leichtes, die Spur der mutmaßlichen Polizisten-Mörderin nachzuzeichnen. Sie jagten die Analyse-Ergebnisse der acht DNA-Punkte vom Streifenwagen durch den Computer. Der vergleicht sie in Sekundenschnelle mit denen, die bereits gespeichert waren. Treffermeldung: Sie sind identisch.

Die DNA-Datei (DAD): Die DAD ist eine bundesweite Datei mit Gen-Informationen über Personen und Tatorte. Zugreifen können das Bundeskriminalamt (BKA), die einzelnen Landeskriminalämter und andere EU-Staaten. Die Ermittler kamen so der Frau auf die Spur, die scheinbar Verbrechen in Deutschland, Österreich und Frankreich auf dem Kerbholz hat. Erfasst sind in der Datei über 570 000 Datensätze.

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