Dienstag, 14. Oktober 2008

Lehrer-Hetze im Internet

21.06.2007
Neuster Schüler-Sport

Von SIMONE DURCHHOLZ und MARCUS BÖTTCHER
Fiktive Kontaktanzeigen, zusammengeschnittene Pornobilder und Videos einer fiktiven Hinrichtung - Schüler finden immer abstoßendere Mittel, es ihren Lehrer heimzuzahlen. Gerade jetzt, kurz nach der Zeugnisvergabe, werden die Geschmacklosigkeiten zu Hauf ins Netz gestellt.

Peter Schmitz (Name geändert) lebt. Doch Millionen fremder Menschen können im Internet seine Hinrichtung verfolgen. Schüler des Lateinlehrers haben das Video zusammengeschnitten. ,,Wer so etwas sieht, muss denken, ich sei ein schrecklicher Mensch", beschreibt Schmitz seine Gefühle. Er ist schockiert über die Leichtfertigkeit, mit der seine Schüler ihn der Öffentlichkeit preisgegeben haben.

Video- und Fotofunktionen in Handys, Bildbearbeitungsprogramme und das Internet geben Schülern unbegrenzte Möglichkeiten, sich für schlechte Noten oder Langeweile im Unterricht zu rächen. Wer bei Videoportalen wie YouTube oder MyVideo den Suchbegriff Lehrer eingibt, wird mit Filmchen überflutet. In Großbritannien gibt es für das Phänomen bereits einen Namen. Das ,,Cyberbulling" hat auf der Insel sogar schon solche Ausmaße angenommen, dass zahlreiche Lehrer erkrankt sind oder den Beruf gewechselt haben.

,,Die psychische Gewalt gegen Lehrer ufert immer mehr aus. Mit Spaß hat das alles nichts mehr zu tun", schlägt Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbands NRW Alarm. Die Schüler wissen häufig gar nicht, was sie anrichten und welche Konsequenzen ihnen drohen. Nicht nur strafrechtliche, je nach Vorgehen der Schule kann ihnen ein Schulverweis drohen.

Ein solcher Verweis ist allerdings unwahrscheinlich. Viele Schulen haben Angst um ihren Ruf, übergehen solche Vorfälle oder spielen sie herunter. Die gemobbten Lehrer stehen alleine da. Einige suchen in einer psychotherapeutischen Behandlung Hilfe. So wie ein älterer, alleinstehender Pädagoge, den seine Schüler bei einer Internet-Partnerbörse anmeldeten, samt Foto und angeblicher sexueller Vorlieben.

Harmloser erscheinen dagegen Online-Portale wie Spickmich.de, bei denen Schüler ihren Lehrern Noten geben können. Allerdings nur, wenn sie weder Bilder noch Beschimpfungen veröffentlichen. ,,Wir haben nichts dagegen, wenn Lehrer bewertet werden", sagt Marianne Demmer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. ,,Noch schöner wäre es allerdings, wenn diese Art von Austausch im Unterricht stattfände."

Das sagt der Rechtsexperte

Anwalt Tobias Strömer, Experte für Internetrecht, erklärt die Rechtslage: ,,Reine Meinungsäußerung ist absolut zulässig. Lehrer müssen sich die Bewertungen im Internet gefallen lassen, müssen damit leben. Also ist etwa ,,spickmich.de" prinzipiell zulässig. Dickes ABER: Sobald Lehrer beschimpft, verunglimpft oder falsche Aussagen über sie getroffen werden, wie auf Youtube.com teilweise zu sehen, muss der Betreiber der Seite eigenverantwortlich dafür sorgen, dass der jeweilige Beitrag von der Internet-Seite verschwindet. Macht er das, gibts kein Problem. Wenn nicht, kann er juristisch belangt werden. Bilder von Lehrern ohne Erlaubnis zu zeigen, verletzt in jedem Fall das Persönlichkeitsrecht.

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