01.05.2007
Illegale Autorennen: Polizei stoppt rasende Millionäre
Von IRIS KLINGEHÖFER und MARCUS BÖTTCHER
Koblenz - Tempolimit? Na und? - Gefährliche Raserei? Was soll`s? Es ist die Party der Bleifüße, ein Adrenalinkick für Superreiche, Rock `n` Roll auf vier Rädern: Das illegale Straßenrennen ,,Gumball 3000". Millionen-Erben, Top-Manager, Promis - seit Sonntag fegen die rücksichtlosen Raser durch Europa. Gestern preschten sie durch Deutschland. Und dort wartete schon die Autobahnpolizei auf die Irren in ihren Mega-Sportwagen: ,,Wir haben allein an der Raststätte Brohltal-West bei Koblenz über 50 Autos angehalten. Andere wurden schon hinter der holländischen Grenze gestoppt. Die Fahrer mussten 420 Euro Sicherheitsleistung hinterlegen, weil so ein Rennen in Deutschland verboten ist. Sechs Deutsche erhielten ein Bußgeld von 150 Euro, vier Punkte in Flensburg und Fahrverbote", erklärt Helmut Zirfas von der Polizei Koblenz. ,,Danach haben wir sie in einem Konvoi zum Flughafen Frankfurt Haan geschafft". Dort wurden die Fahrzeuge in Flugzeuge geladen und in die Türkei geflogen - wo das irrsinnige Rennen weitergeht.
Die Autos
Das Wichtigste am ganzen Rennen: die Autos. Hier berühren sich Wahn und Wirklichkeit. Keines der Geschosse auf vier Rädern kostet weniger als 150 000 Euro. Getunte Mercedes oder aufgemotzte Porsche fallen gar nicht mehr auf. Besser fürs Ego: Lamborghini, Ferrari oder Maserati. Absolutes Highlight dieses Jahres ist ein Bugatti Veyron: Schlappe 1001 PS, 400 km/h schnell und 1,2 Millionen Euro teuer.
Die Strecke
Der Start war in London. Gestern ging´s von Amsterdam nach Frankfurt. Die meisten rasten über die A61, viele wurden entlang der Strecke gestoppt. Von Frankfurt-Haan flogen Autos und Fahrer nach Istanbul. Das Rennen gaht dann über Athen, Tirana, Bratislava bis in die Lausitz und nach Berlin. Am 5. Mai endet die Rallye in London.
Das Gesetz
In England wird das Rennen als Werbe-Kampagne eingestuft, ist dort erlaubt. Bei uns fällt es unter Paragraph 29 (,,Rennen mit Kraftfahrzeugen sind verboten") und wird von der Autobahn-Polizei verfolgt. Auch in Belgien, Holland oder Frankreich ist das Gumball-Rennen nicht erlaubt. Allerdings wird dort nur lax kontrolliert.
Die Regeln
Wer 28 000 Pfund (rund 41 000 Euro) und einen schnellen Sportwagen übrig hat, darf teilnehmen. Bei 120 Anmeldungen ist Schluss. Niemand verpflichtet sich, die Verkehrsregeln zu beachten. Besonders die Männer sind vom Ehrgeiz zerfressen - rücksichtloses Rasen über die Autobahn ist für viele ganz normal.
Die Fahrer
Nicht nur der Geldadel hat das Rennen vom Briten Maximillion Cooper (fährt selbstverständlich auch mit) für sich entdeckt. Immer mehr Promis mischen mit. Jamiroquai-Sänger Jay Kay (gr. Foto) rast mit seinem Maserati genauso über die Autobahnen wie Star-Wars-Star Hayden Christensen. MTV-Moderator Xzibit (,,Pimp my ride") ist seit gestern Beifahrer. In Holland wurde er erwischt, als er 60 km/H zuviel auf dem Tacho hatte. Auch Frauen suchen den Adrenalin-Kick: Supermodel Caprice Bourret tritt in einem Range Rover auf`s Gaspedal.
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