Sonntag, 5. Oktober 2008

Ganze Stadt wird 4 km verschoben

11.01.2007
20 000 Menschen müssen vor Rissen im Boden flüchten

Von MARCUS BÖTTCHER
Kiruna - Um nicht vom Erdboden verschluckt zu werden, müssen die Einwohner von Schwedens nördlichster Stadt vier Kilometer weit umziehen. Grund ist die Eisenerzmine der staatlichen Bergwerksgesellschaft LKAB, die das Erdreich unter der Stadt auflockert und riesige Risse im Zentrum verursacht. Die Mine machte Kiruna reich, doch nun raubt sie den Bewohnern ihre Heimat. Am Montagabend beschloss der Stadtrat die Umsiedlung des Zentrums, bis 2023 sollen die ersten 3000 Einwohner umziehen. Und zwar mitsamt ihren Häusern.

Die Wahrzeichen der Stadt, die alten Holzhäuser, werden im Stück auf große Lkw-Anhänger geladen und vier Kilometer weiter wieder aufgebaut. ,,Für die Menschen ist das kein Problem", erklärt Komunen-Sprecherin Ulrike Hannu dem EXPRESS, ,,sie wissen, dass es ohne die Mine unsere Stadt gar nicht geben würde. Viele von ihnen leben trotz des aufkommenden Tourismus vom Bergbau". Finanziert wird der komplette Stadt-Umzug von der LKAB: ,,Natürlich bezahlen wir, was wir zerstört haben", erklärt Firmensprecher Joran Olofsson.

Das könnte allerdings teuer werden, denn außer den Holzhäusern sind auch Bahnhof, Flughafen, elektrische Leitungen und die Eisenbahnlinie betroffen. Kommunalrat Kenneth Stålnacke sieht keine Finanzierungsprobleme: ,,Gemessen an dem Reichtum, der von hier fortgetragen worden ist, geht es bei den Kosten für den Umzug um Kleingeld." Hoffentlich ist das, wenn der Umzug ansteht, nicht vom Erdboden verschluckt.

Flucht vor Tagebau

Auch im Rheinland sind Menschen von Zwangsumsiedlungen betroffen. Vier Dörfer im Kreis Erkelenz mussten dem Tagebau Garzweiler II weichen. 1800 Einwohner von Manheim müssen bis 2017 eine neue Heimat gefunden haben. Anders als in Kiruna nehmen sie ihre Häuser nicht mit: Für alle werden neue Häuser gebaut.

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