21.12.2006
5 Tage im Koma, aber überlebt
Von MARCUS BÖTTCHER
Wuppertal - Sechs Menschen starben durch die Luminal-Tabletten. Auch Nico M. schluckte sie, um zu sterben. Doch der Selbstmord misslang, weil ihn seine Mutter in letzter Sekunde bewusstlos fand. Gestern sagte der Schüler das erste Mal im Todespillen-Prozeß gegen Kejdi S. (EXPRESS berichtete) aus.
Für Nico M. (Name geändert) stand lange fest, dass er sterben will. ,,Mich haben schwere Depressionen geplagt", sagte der heute 21-Jährigen aus Dülmen. Über die Internetseite ,,selbstmord.com" lernte er den Wuppertaler Kejdi S. kennen. Der 23-Jährige verkaufte dem Lebensmüden 50 Luminal-Tabletten (für starke Epileptiker eine Ein-Monats-Dosis): Erst für 600-800 Euro, dann ging er auf 250 Euro runter.
Die Pillen verschickte der Angeklagte per Post, anbei eine Einnahme-Anleitung zum sicheren Tod. Der Suizid hätte auch geklappt, wenn ihn seine Mutter nicht bewusstlos im Zimmer gefunden.
Nach der sofortigen Einlieferung in ein Krankenhaus blieb M. fünf Tage im Koma, überstand nach dem Aufwachen mehrere schwere Krämpfe. ,,Ich habe sogar meine Mutter und meine Cousine weggeschickt, weil ich dachte, ich wäre tot und die beiden nur Einbildung", schilderte Nico.
Kejdi S., der Todespillen-Händler. Richter Dr. von Bargen wird langsam sauer auf ihn. Denn eine Belastungs-Zeugin, die für gestern geladen war, erschien nicht. Sie ist in Thailand, der Urlaub wurde ihr geschenkt. Etwa von Kejdi S., der so ihre Aussage verhindern will?
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