Montag, 13. Oktober 2008

Amis zensieren Klimabericht

07.04.2007
Ausgerechnet die größten Umweltsünder...George W. Bush lässt ganze Passagen aus dem Papier der UN streichen

Von MARCUS BÖTTCHER
Brüssel - Hickhack vor der Veröffentlichung des zweiten Teils des UN-Welt-Klimaberichtes. Die ganze Nacht stritten sich in Brüssel die UN-Diplomaten um den Inhalt. Bis sich die Amis nach 26 Stunden schließlich durchsetzten: Ausgerechnet die USA zensieren den 1500 Seiten starken Bericht der Vereinten Nationen!

Rund ein Fünftel des weltweiten CO2-Ausstoßes pusten die US-Amerikaner jedes Jahr in die Luft, verbrauchen mit Abstand die meiste Energie - die USA sind der größte Umweltsünder der Welt. Doch das scheint Präsident George W. Bush und seine Regierung wenig zu stören: Wirbelstürme, Trockenheit, Überflutungen und Brände als Folge der Erderwärmung - all das sollte im zweiten Teil des Klimaberichtes stehen. Auf Druck der USA wurde die kritische Passage mit den schlimmen Klima-Auswirkungen auf Nordamerika aber einfach gestrichen.

,,Trotz weltweiten Klima-schutzes haben die Amerikaner scheinbar kein Problem damit, größter Energieverbraucher zu sein", befürchtet Martin Hiller vom Klimaprogramm des WWF, ,,dabei müssten sie sich endlich am Riemen reißen."

Tun sie aber nicht: So erschien den USA eine Weltkarte zum vorhergesagten Temperaturanstieg zu ,,rot" - einige Regionen mussten in die weniger alarmierende Farbe ,,Gelb" geändert werden.

,,Ich denke, nach Bushs Präsidentschaft werden sich auch die USA endlich stärker im Klimaschutz engagieren. Viele US-Bundesstaaten gehen ja jetzt schon nicht mehr mit der Haltung ihrer Regierung konform", hofft Regine Günther, Leiterin des deutschen WWF-Klimaschutzes.

Doch nicht nur die Amerikaner, auch China, Russland und Saudi-Arabien hatten an dem UN-Bericht zu mäkeln. Es wurde über Formulierungen verhandelt, ob Umwelt-Horror-Szenarien mit ,,sehr großer" oder nur mit ,,großer Wahrscheinlichkeit" eintreten werden.

Weitere Streitpunkte: das Ausmaß der zu erwartenden Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten und ob die finanziellen Kosten der Klima-Katastrophe überhaupt in den Report aufgenommen werden sollen.

Das steht im UN-Klimabericht

Gestern wurde der zweite Teil des UN-Klimaberichtes veröffentlicht. Er sagt gravierende Folgen der Erderwärmung voraus. Die Kernaussagen: 30 % aller Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Millionen Menschen sind bis 2080 durch den steigenden Meeresspiegel in Gefahr. Am stärksten betroffen werden Asien und Afrika sein. Das Risiko von Hungersnöten steigt vor allem in den jahreszeitlich trockenen Tropen. Dürregebiete dehnen sich aus. Zugleich nehmen Überschwemmungen durch extreme Niederschläge zu. Landwirtschaftliche Erträge werden zunächst zu-, auf Dauer aber vermutlich abnehmen. Wetterextreme häufen sich, führen zu steigenden ökonomischen und sozialen Kosten. Mangelernährung, Durchfallerkrankungen, Herz- und Lungenleiden durch Ozon, Infektionskrankheiten und Wetterextreme bedrohen die Gesundheit von Millionen von Menschen.
Am 2. Februar veröffentlichte der Klimaausschuss der Vereinten Nationen (IPCC) den ersten Teil des UN-Klimaberichtes. Anfang Mai kommt der dritte Teil. Darin wollen Wissenschaftler Lösungsvorschläge anbieten, um die Folgen des Klimawandels abzumildern.

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