08.03.2007
Als erstes Bundesland: Polizei in NRW führt Temposündern diesen Film vor
Von MARCUS BÖTTCHER und THOMAS GOLDAU
Düsseldorf - Ganz harmlos fängt das Video an, wie ein Werbespot für ein Familienauto. Mama, Kind und Papa unterwegs. Dazu die Stimme aus dem Off: ,,Ihre Tochter ist ihr ganzes Glück. Für sie würden sie alles tun. Tun sie aber nicht." Dann bremst Papa, der viel zu schnell unterwegs ist. Und das Kind - nicht angegurtet - fliegt durch die Windschutzscheibe.
Ein Schock mit Wirkung. Wer dieses Video sieht, verhält sich als Autofahrer anschließend verantwortlicher. Das belegt eine Langzeitstudie des österreichischen Verkehrsministeriums, das den Spot in Auftrag gegeben hatte. Mehr als 50% aller Zuschauer, die das Video im Fernsehen gesehen hatten, konnten auch nach langer Zeit noch alle wichtigen Details schildern. Und sie sagten, dass ihr Fahrverhalten von der Handlung beeinflusst wird.
Jetzt sollen dieses Schock-Video aus Österreich und weitere Spots - u. a. aus Irland - auch in NRW für mehr Sicherheit sorgen. Wolfgang Beus vom Düsseldorfer Innenministerium: ,,Die Polizei setzt das Video gezielt bei Verstößen gegen das Tempolimit ein." Wird ein Autofahrer an einem Unfallschwerpunkt als Raser oder als Gurtmuffel erwischt, dann kann es mehr als nur ein Knöllchen geben. Beus: ,,Polizisten führen ihnen das Video an Ort und Stelle auf dem Notebook vor."
Mit dieser Methode der Verkehrserziehung liegt NRW vorn: ,,Wir sind das erste Bundesland, dass mit dieser Methode arbeitet", so Beus. Sicher wird der Spot auch die Raser in NRW nicht kaltlassen. Denn ,,konfrontierende Stilmittel", so der Fachausdruck, wurden auch in Großbritannien schon erfolgreich eingesetzt. Dort fühlten sich 52% der Zuschauer zum Nachdenken angeregt. Und hoffentlich auch zum besseren Autofahren.
Mehr Schock-Videos
Nicht nur Raser und Gurtmuffel kennen Schock-Videos und Horror-Bilder: In Brasilien und Kanada müssen sich Raucher Fotos von teeverklebten Lungen, Krebsgeschwüren und fauligen Zähnen auf Zigaretten-Schachteln ansehen. In Schweden warnt ein TV-Spot mit Klappergestell-Mädchen vor Magersucht. Auch Tierschützer erreichen durch Fotos von grausam hingerichteten Tieren breite Aufmerksamkeit.
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