Dienstag, 14. Oktober 2008

Die DNA-Spur der Mörderin

18.06.2007
Polizei-Beamtin war nicht ihr erstes Opfer

Von MARCUS BÖTTCHER
Heilbronn - Sie ist skrupellos. Eiskalt. Und brutal. Diese Frau ist ein Phantom. Die Polizei weiß nicht, wie sie aussieht. Oder wie sie heißt. Aber die Fahnder haben ihre DNA. Seit 14 Jahren mordet und raubt sich eine Serienkillerin durch Europa. Ihr letztes Opfer: die Polizistin Michelle Kiesewetter (22).

Nachdem die Polizei vorgestern erste Ermittlungserfolge präsentierte (Sonntags-EXPRESS berichete), tauchen nun immer neue Spuren der unheimlichen Killerin auf. Der Code, der sie verrät: ihre eigene DNA. An über 20 Tatorten in Deutschland, Österreich und Frankreich fanden Beamte die Gene der mutmaßlichen dreifachen Mörderin. Von der Eifel über Hessen bis ins Inntal nach Österreich.

Morde, Autodiebstähle, Raubüberfälle, Einbrüche - die Liste der Verbrechen der offenbar Drogenabhängigen wird immer länger.

,,Eins ist auffallend: Es wurde immer alles gestohlen, was irgendwie vermarktbar ist", so der Leiter des oberösterreichischen Landeskriminalamts, Rudolf Keplinger. Das, und der Fund einer benutzten Heroin-Einwegspritze mit der DNA der Gesuchten (bei Gerolstein/Eifel) - alles deutet auf die Drogenszene hin.

Die beiden in Österreich inhaftierten Komplizen der Killerin schweigen weiter. Der Serbe (sitzt seit einem Jahr im Knast) und der Pole (seit eineinhalb Jahren) sind laut Keplinger ,,absolut unkooperativ". Ihr Erbgut war mit der DNA der gesuchten Frau an einigen Tatorten gefunden wurden.

Drogencocktail

Im Oktober 2001 wird auf einem Parkplatz in Gerolstein/Eifel eine Spritze mit einem Heroingemisch gefunden - mit der DNA der Killerin.

Mord an Rentnerin

Das erste Opfer der Serienmörderin. Mit einem Blumenbindedraht soll sie die Rentnerin Lieselotte Sch. erdrosselt haben. Die 62-Jährige aus Idar-Oberstein stirbt am 26. Mai 1993 zwischen 15 und 21 Uhr. Nach diesem Raubmord wurde die DNA der heute Gesuchten zum ersten Mal sichergestellt.

Büro-Einbruch

Die Killerin steigt durchs Fenster in ein Dietzenbacher (bei Offenbach) Bürogebäude ein. Bei dem Einbruch findet sie aber nur Kleingeld.

Keksreste

Ein Wohnwagen und eine Gartenhütte werden in Mainz-Budenheim geknackt. Die Polizei findet an Keksresten ihre DNA.

Mordversuch?

Auch im rheinland-pfälzischen Worms soll die Unbekannte versucht haben, einen Mann hinterhältig zu erdrosseln.

Autoklau und Mord

In Heilbronn ist die Killerin keine Unbekannte. Am 25.12.2003 klaut sie ein Auto, welches erst im Februar 2004 wieder auftaucht. Ihre DNA fand die Polizei am Tankdeckel. Und dann der Mord an der Polizistin: Sie soll am 25. April diesen Jahres am hellichten Tag die Beamte Michelle Kiesewetter erschossen haben, verletzte ihren Kollegen Martin Arnold schwer.

Schädel zertrümmert

Am 26. März 2001 wird in Freiburg dem 61-jährigen Josef W. erst den Schädel zertrümmert, dann wird derden Frührentner erdrosselt. Das Erbgut der gesuchten Frau wird gefunden. Im März 2004 das nächste Verbrechen im Badischen: Mit einer Flex knackt sie in Verwaltungsräumen einen Geldschrank.

Tatorte in Österreich

In Österreich gibt es (noch) keine Toten - dafür jede Menge Delikte. Entlang der Inntalstrecke hat die Gesuchte 12 Mal zugeschlagen. In Steinach/Brenner brach sie mit den bereits inhaftierten Komplizen in fünf Gartenhäuser ein, klaute Essen und Klamotten. In Hall/Tirol knackten sie vier Lauben. Im Oktober durchwühlte die Bande in Wörgl Schrebergärten. Im 50 Kilometer entfernten Innsbruck ließen sie eine Gitarre mitgehen. Und in Linz in Oberösterreich fand man ihre DNA nach einem Einbruch in ein Büro.

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