Dienstag, 14. Oktober 2008

TV-Chef rüttelt die ganze Welt wach

03.06.2007
Inszenierte Organspende-Show war ein Erfolg

Von MARCUS BÖTTCHER
Den Haag - Nach 72 Minuten platzte die ,,Große Spendenshow" wie eine Seifenblase. Alles von langer Hand geplant, perfekt inszeniert (EXPRESS berichtete). Mit der ,,Big Donor Show" rüttelt der Chef des holländischen Senders BNN die ganze Welt wach. Er macht Organspenden vom Tabuthema zum Quotenhit.

Wir wollten ein Zeichen setzen. In den letzten sieben Tagen ist international so viel über das Problem Organspende diskutiert worden, wie in den letzten sieben Jahren nicht", freut sich Laurens Drillich, Programmchef des Senders BNN.

Während seiner Sendung beantragen 12 000 Zuschauer einen Spenderausweis. Die Show ist ein Straßenfeger, hat 1,2 Millionen TV-Zuschauer (landesweit zweithöchste jemals erreichte Quote). Im kleinen Holland sind das ,,Wetten-Dass"-Dimensionen.

Auch Chel Martens, Direktor des Verbandes der niederländischen Nierenpatienten ist vom Ausgang der im Vorfeld so heftig diskutierten Show begeistert: ,,Wir sind zwar alle auf den Arm genommen worden. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass das Problem nun ein Gesicht hat."

Genau genommen drei: die Kandidaten der Show waren echte Patienten. Die ihre Rolle in der inszenierten Show tapfer spielten: die selbstbewusste Esther-Claire (36), den charmant lächelnden Vincent (19) und die lebenslustige Charlotte (29). Alle drei warten wie 1400 andere Holländer sehnsüchtig auf eine Spenderniere. Mit der Show steigt die Hoffnung. Sie machte aus anonymen Namen auf Organ-Wartelisten endlich Namen. Doch es gibt auch kritische Stimmen. ,,Es hätte dieses makaberen Spiels überhaupt nicht bedurft. Das Problem Organspenden kann man auch an die Öffentlichkeit bringen, ohne die Zuschauer reinzulegen", sagt Medienexperte Jo Groebel. Joop Atsma, Sprecher der holländischen Regierungspartei CDA geht noch weiter. Er kritisiert die Sendung als geschmacklosen Werbegag. Auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kritisiert: ,,Wenn die Medien so viel Energie in seriöse Aufklärung und das Werben um Organspenden zur besten Sendezeit stecken würden, hätte man den selben positiven Effekt." BNN-Chef Drillich sieht das natürlich anders. Aber er reibt sich nicht die Hände über den gelungenen Coup, sondern ist erst zufrieden ,,wenn die Wartelisten kürzer sind".

,,Mir ist egal, ob die Show echt war oder nicht. Wichtig ist der Spende-Ausweis, ich habe meinen schon 21 Jahre." Jeroen Huijsmans aus Helmond/ Niederlande

,,Die Show war genau richtig, um die Menschen aufzurütteln. Auch wenn sie letzlich ein Fake war." Sofie Koxen (26) aus Helmond/ Niederlande

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