18.12.2006
Gleichberechtigung plemplem
Von MARCUS BÖTTCHER
Wien - Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau: In Österreich nimmt ein ansonsten ernstes Thema lustig-kuriose Formen an. Denn die städtischen Hinweisschilder Wiens bekommen eine Geschlechtsumwandlung.
Im Rahmen des Gleichstellungsprojektes zwischen Mann und Frau, ,,Gender-Mainstreaming" genannt, wechselt Österreichs Hauptstadt nach und nach ihre öffentlichen Hinweis- und Straßenschilder aus. Ampelmännchen werden zu noblen Damen mit Handtasche, wehende Zöpfe weisen künftig den Fluchtweg, und selbst das Schippenmännchen auf Baustellenschildern trägt Rock und Stiefel.
Doch nicht nur das männliche Geschlecht wird ersetzt: Künftig sind auch Papas mit ihrem Baby auf Hinweisschildern vor Wickelräumen zu sehen. ,,Wir wollen das so lange fortsetzen, bis ein 50:50-Verhältnis geschaffen ist", sagt die Wiener Stadträtin Marianne Lackner EXPRESS. ,,Dass es dabei nicht nur positive Reaktionen gibt, war uns vorher klar." Protest werde dabei natürlich vor allem von Männern laut, so Marianne Lackner.
In Deutschland sind derartige Plemplem-Aktionen zumindest theoretisch möglich, weiß Bernhard Meier vom Landesbetrieb Straßenbau NRW: ,,Wenn ein gesellschaftlicher Bedarf besteht, müsste man die Straßenverkehrsordnung ändern. Anfragen gab es bislang nicht."
Ob das allerdings so bleibt, wird sich zeigen. Dr. Heidrun Fußwinkel, Gleichstellungsbeauftragte der Uni Köln, findet das Wiener Projekt zumindest interessant: ,,Einen Rundumschlag mit Kompletterneuerung der Schilder halte ich aber nicht für sinnvoll, eine Durchmischung nach und nach wäre aber denkbar."
Bleibt zu hoffen, dass zumindest die Hinweisschilder für Damen- und Herren-WCs unverändert bleiben...
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