Sonntag, 5. Oktober 2008

2030: Wird das unsere Zukunft sein?

16.01.2007
Aufstand der Alten: Knallharter ZDF-Doku-Krimi - Vergreiste Gesellschaft: Sender zeigt erschreckende Visionen

Von DIANA SCHANZENBACH und MARCUS BÖTTCHER
Arm. Aussortiert. Ausgebeutet. Zur Kleinkriminalität verdammt. Das sind die Senioren der Zukunft. Eine Zukunft, in der es zu wenige Junge und zu viele Alte gibt. Wie wird es sein, wenn die demografische Zeitbombe explodiert? Es wird ein Albtraum sein, behauptet der knallharte ZDF-Dreiteiler ,,Aufstand der Alten". Verarmte Rentner werden in Alten-Asyle gepfercht, wie Sondermüll entsorgt, kostenlos totgespritzt. Es ist heute schon absehbar, dass der ,,Planet der Alten" immer ungemütlicher werden wird. Expterten sagen voraus: Bis zum Jahr 2030 wird das Heer der Senioren über 65 Jahre von 16 auf 24 Millionen Menschen anschwellen, die Zahl der Pflegebedürftigen wird von heute zwei auf drei Millionen steigen, und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts sagen voraus: Die Deutschen werden bis zur Jahrhundertmitte durchschnittlich 93 Jahre alt.

Genug Fakten-Futter für die Horror-Visionen des ZDF-Dreiteilers, dessen 1. Teil heute, 20.15 Uhr, ausgestrahlt wird (Teil 2: 18. Januar, Teil 3: 23. Januar). Die so genannte ,,Doku-Fiktion" ist Krimi und Dokumentation zugleich. Der Vorwurf, reißerisch zu sein, prallt an ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender ab: ,,Die Politik kann uns nichts vorwerfen, wenn sie so lange das Problem verschlafen hat, das eines der wesentlichen Themen unseres Erdballs wird."

So (über)zeichnet das ZDF das unwürdige Leben einer betrogenen Alten-Generation im Jahre 2030:

Alte werden kriminell

Die armen Alten. Ihre Verzweiflung macht sie aggressiv. Sie übertreten Gesetze - und holen sich, was sie zum Überleben brauchen. Sie überfallen Apotheken, weil sie sich keine teuren Medikamente leisten können. Oder sie überfallen Banken, um sich das Geld zu holen, das ihnen für ein Leben in Würde fehlt. Und wenn sie dabei erwischt werden, werden sie in spezielle Senioren-Gefängnisse (Foto) gesperrt. Dort muss die wachsende Zahl der greisen Kriminellen arbeiten bis zum bitteren Lebensende.
Alte ab in ,,Liegehallen"

Ein perfides System hat sich etabliert: Hochkriminelle Geschäftemacher machen Senioren weis, dass es in Afrika Pflegeheime gibt, die sie sich von ihrer kargen Einheitsrente (560 Euro im Monat) leisten können. Für den angeblich bequemen Lebensabend in Afrika müssen die Rentner ,,nur" ihren Rentenanspruch an die dubiosen Firmen abtreten ... Sobald die Alten in ihrem afrikanischen Pflegeheim krank werden, werden sie aber lautlos und unheimlich ,,effektiv" entsorgt: In riesigen Liegehallen mit 100 Betten (Foto) werden ihnen über ein Schlauchsystem Nahrung und Beruhigungsmittel eingeflößt. Gerade so viel, dass sie nicht verhungern. Denn nur lebend bringen sie Profit: nämlich die Rente minus dem minimalen Aufwand für die ,,Endlagerung" der Kranken.
Alte wehren sich, nehmen Geiseln

Der Aufstand der Alten. Er nimmt dramatische Züge an. Die Rentner lassen sich nicht so einfach aussortieren: Sie organisieren sich im ,,Kommando Zornige Alte". Die radikale Gruppe von Alten-Aktivisten organisiert Demonstrationen; nimmt einen skrupellosen Geschäftemacher zur Geisel, der arme Alte billig in Afrika entsorgt; betreibt im Untergrund einen Internet-Sender mit kritischen Beiträgen zu den Missständen in Pflegeheimen etc.
Der Anführer ist ein Robin Hood der Alten: Er schenkt das Geld aus Banküberfällen Senioren, die sich damit lebenswichtige Operationen leisten können.

Geld haben nur wenige Alte

Es gibt nicht nur die armen Alten. Es gibt auch die ganz wenigen steinreichen. Das sind die früheren Doppelverdiener ohne Kinder und ohne Zeiten der Arbeitslosigkeit, die genug Geld auf die hohe Kante gelegt haben für einen dekadent luxuriösen Lebensstil. Sie spielen Golf und gehen ins Fitnesscenter, lassen ihr Geld in exklusiven Wellnesstempeln. Und 90-Jährige werden in Schönheitscentern 20 Jahre jünger operiert.
Und die Armen, die das sehen, werfen auf Demonstrationen mit Silikonbeuteln nach diesen provozierend reichen Greisen, die im ZDF-Film im Open-Air-Altenheim Baden-Baden umherflanieren.

Alte wie in einer Legebatterie

Ein deutsches Pflegeheim im Jahr 2030. Vollautomatisiert. Entmenschlicht. Steril. Wer menschenwürdige Pflege und medizinische Versorgung nicht bezahlen kann, endet hier. Die Senioren liegen in vollautomatischen Betteneinheiten, Roboter bringen das Essen ans Bett, Roboterarme schwenken die Nahrung Richtung Mund. Und alten Patienten, die sich selbst gar nicht mehr bewegen können, wird eine Windel mit vier Liter Fassungsvermögen verpasst ...
Wer dieses Leben nicht mehr aushält, hat die zynische Wahl: Immerhin die Sterbehilfe-Beratung ist für alle Senioren ab 65 kostenlos ... Laut Gesetz müssen zwischen Beratung und Durchführung 48 Stunden liegen. Doch Ärzte stehen unter Verdacht, dass sie die Frist nicht einhalten und dafür Krankenkassen-Prämien kassieren.

Alte sind ein Fall fürs Asyl

Sie haben ein langes Berufsleben hinter sich. Und landen zum Dank im Alten-Asyl. Das Berliner Schiller-Theater ist als Notunterkunft eingerichtet. Da liegen sie nun, die ehemaligen Ingenieure, Ärzte, Handwerker. Auf Pritschen in einem großen Saal, die Betten dicht an dicht, getrennt nur durch einen Sichtschutz, über den sie abends ihre abgewetzten Kleider hängen. Sind 500 Alte drin, wird abends dicht gemacht.
Viele von ihnen sind, wie die Hauptperson im Film, Rentner Sven Darow, verarmt, weil sie oder ihr Partner erkrankt sind und die Kosten der medizinischen Versorgung sie ruiniert haben.

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